Kleingeist und Größenwahn

Innsbruck verliert eine wahre Größe

Es gibt Begegnungen, die sind flüchtig und wirken dennoch nach.

Sie war etwas Besonderes. Das klingt platt, ist aber die Wahrheit. Sie stand ihren Artgenossen, Berühmtheiten wie Idefix, Lassie oder Rex um nichts nach. Im Gegenteil. Ich kannte sie nicht gut, ich kannte sie eigentlich überhaupt nicht. Auch ich war für sie nicht mehr, als eine flüchtige Bekanntschaft, nicht mehr als ein Stuhlbein, das sich ab und an in ihr zweites Zuhause verirrte. Und doch war da diese unheimliche Vertrautheit – eine Verbindung, wie sie der gemeine Leser von einem guten Buch kennt. Wenn die Hauptfigur erst zu einer flüchtigen Bekanntschaft und später zu einem engen Freund wird, obwohl man einander nicht einmal die Hand geschüttelt hat. An dieser besonderen Verbundenheit trägt der Leser nur in den seltensten Fällen eine Mitschuld. Es ist immer das Gegenüber, das diese Beziehung ermöglicht. Sie war besser, als es der bemühteste Mensch je sein könnte. Sie gehörte zu diesem Raum, wie ihr knorriger Kompagnon und schelmischer Komplize. Sie war Teil des Charmes, Teil des Mythos und Teil der Stadt. Denn sie hatte stets ein offenes Ohr und war einfach da, wenn man einmal eine Kaffeelänge Auszeit brauchte, vom hektischen Alltag – der an ihr vorüber zuziehen schien, wie der Föhn über die Europabrücke. Nun ist sie davon gezogen. Fort und für andere da. Traurig und schön zugleich. Aber vor allem traurig. Die Stadt verliert eine wahre Größe. Gäbe es nur mehr Innsbrucker wie sie. Sapperlot!

Hier geht es zur vorherigen Folge von "Kleingeist und Größenwahn".