Kleingeist und Größenwahn

Warum schon wieder ein Wirtshaus in Innsbruck schließen musste

Schon wieder musste ein Wirtshaus in Innsbruck schließen. Das ist eine mittelschwere Katastrophe, hat aber gute Gründe.

Schon wieder. Schon wieder hat ein Wirtshaus in Innsbruck seine Pforten für immer schließen müssen. Erneut ist nicht die grassierende Systemgastronomie in Innsbruck daran schuld. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Verordnungswahnsinn haben nicht zu der Schließung geführt. Das wäre alles viel zu einfach. Man muss die Spuren und Gründe anderswo suchen.

Im Fall des besagten Gasthauses wird man schnell fündig. Die Spuren in den sozialen Netzwerken sind eindeutig. Die Facebook-Seite ist voll mit impliziten und expliziten Vorwürfen den Gästen gegenüber. Tenor: Wir machen jetzt schon Feierabend, weil sich heute niemand zu uns herauf in den “Höttinger Schießstand” verirrt hat.

Der Gast wird dadurch zu demjenigen, der nicht kommt, obwohl das Essen doch eigentlich sehr gut ist. Der Küchenchef inszeniert sich damit zum verkannten Genie. Von da ist der Weg nicht mehr weit bis hin zur Aussage, dass Innsbruck ein solches Gasthaus ja eigentlich gar nicht verdient hat.

Das führt automatisch dazu, dass beide Seiten frustriert sind. Der Wirt, weil sein Einsatz und seine Arbeit nicht ausreichend belohnt werden. Der Gast, weil er sich bei einem frustrierten Wirt nicht so recht wohlfühlen will. Das wiederum führt dazu, dass Gäste tatsächlich ausbleiben und der Wirt noch gefrusteter ist. Ein Teufelskreis also.

Die Situation ist simpel: Gäste interessieren sich, zu Recht, nicht dafür wie viel Arbeit ein Wirt in sein Gasthaus steckt. Schon gar nicht wollen sie mit Erzählungen von persönlichen Entbehrungen gelangweilt werden. Sie wollen Qualität, Emotionen und unbedingte Gastfreundschaft. Gelingt das, gelingt auch das Prinzip Wirtshaus.

Hier geht es zur vorherigen Folge von "Kleingeist und Größenwahn".