Kolumne

Im Salon #4: Höllenfeuer

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue sie brechen entzwei. Von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen. Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei“ … summt der pensionierte Weihbischof Andreas Laun, als er erheitert vom Vortag aus der Aschermittwochsliturgie kommend auf ein Schnapserls in den Salon kommt. Dort sitzt niemand geringerer als der Abgeordnete Gebi Mair.

Andreas Laun: Grüß Gott, haben Sie noch einen Platz für einen alten Jünger des Herrn?

Gebi Mair: Bitte, gerne … entschuldigen Sie, was meinten Sie mit jüngerem Herrn?

AL: Ich sagte, ich bin ein Jünger des Herrn.

GM: Was? Jünger als wer?

AL: Na, vom lieben Gott, ich bin ein Bischof der heiligen Mutter Kirche!

GM: Ach so, Sie haben für die katholische Kirche gearbeitet.

AL: Sie sind aber nicht oft in der Kirche, sonst würden Sie wissen, wer ich bin.

GM: Ähm, das ist jetzt sehr privat, so auf die Schnelle. Erst Mal: Mein Name ist Gebi Mair, ich bin Abgeordneter für die Grünen in Tirol.

AL: Was?! Die Grünen. Das ist ja die Homosexuellenlobby! Himmel Herrgott!

GM: So würde ich das nicht bezeichnen, aber es stimmt, dass sich die Grünen um die Rechte von Homosexuellen bemühen. Wenn Sie es wissen möchten, ich bin selbst homosexuell.

AL: Allgütiger, wissen Sie denn nicht, dass Sie sich das ewige Höllenfeuer zuziehen? Das ist schwere, sehr schwere Sünde, was Sie da tun. Da gibt es keine Erlösung für Sie.

GM: Danke, für diese charmante Erklärung. Ich bin mit meinem momentanen Leben sehr zufrieden und verzichte gerne auf Ihre Erlösungsangebote.

AL: Aber, mein Sohn, heute ist der heiligen Aschermittwoch. Knie dich nieder, bekenne deine Schuld und bereue dein ganzes Leben. Dann werde ich dich lossprechen von all deinen Sünden!

GM: Also wirklich! Und überhaupt sind sehr viele Geistliche in Ihrer katholischen Kirche selbst homosexuell.

AL: Die Kirche hat das immer, in ihrer gesamten heiligen Tradition, immer verurteilt.

GM: Werfen Sie doch nur mal einen Blick in die Klöster und Stifte.

AL: Wenn jemand Gelübde abgelegt hat, lebt er ausnahmslos enthaltsam, sonst muss er das Kloster sofort verlassen.

GM: Aber das stimmt ja nicht! Reden Sie mal mit Menschen, die aus dem Kloster ausgetreten sind, wie es die Äbte und Klösterbrüder intern mit Homosexualität halten…

AL: Das ist einzig die Hand Satans, die uns ständig auf den Endkampf der Kirche vor dem Zeitenende vorbereitet.

GM: Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde es schön, wenn sich zwei Klösterbrüder finden, von mir aus gerne auch im Kloster. Aber ich finde es furchtbar, wie die katholische Kirche und ihre Vertreter noch immer Homosexuelle diskriminieren, obwohl es eine Tatsache, dass viel nicht für Gott auf Frau und Kind verzichten, und das bis in die höchste Etage.

AL: Mmmmmh …. mmmmmmh …. Hölle, Hölle, Hölle.

Titelbild: (c) pexels