Kolumne

Freitagsgebet #13: im Ernst

Es ist närrisches Treiben angesagt, in Villach, in Köln und überall. Werden Sie sich dieses Jahr verkleiden? Nein? Das ist nichts für Sie? Sie haben so etwas nicht nötig? Interessant. Dann beten Sie zumindest mit mir das heutige Freitagsgebet, bevor nächste Woche die Fastenzeit beginnt.

Orgienkulte gab es schon immer und sie waren immer religiös. Ob nun mit Bacchus alias Dionysos, bei den römischen Saturnalien oder in den Chakra-Sexkulten des Dalai-Lama: Da blieb keine Körperflüssigkeit ungenutzt. Nun hatten Christen mit diesen Dingen offen gestanden ein Problem, doch es fand sich eine Lösung. Man könnte ja in ein anderes Ego schlüpfen. So wie der liebe Augustin schreibt, einmal ins böse Paralleluniversum der civitas diaboli springen. Alles mal ausprobieren, nix bereuen. Und wenn der Pfarrer am Aschermittwoch dazu aufruft, den bösen Menschen abzulegen, kann man das Kostüm ganz einfach wieder ausziehen, zurück ins gute Universum hüpfen, und der alte Brave sein, auf den die Mama so stolz ist. Das sagt doch ziemlich viel über den Menschen aus. Vielleicht sollen wir den Fasching doch ernster nehmen, als dieser selbst das will.

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