Kolumne

Freitagsgebet #12: Let’s have some Leftovers

Linke unser, im Boden verschüttet, verunglimpft dein Name, deine Revolte komme, wie in Flughäfen, so auch auf Bahnhöfen, unser täglich Wut gib uns heute, und erkämpf uns unsere Gleichheit, wie wir erheben alle Unterdrückten, und führe uns nicht in Verdummung, sondern erlöse uns von den Rechten. Ein Regionalaugenschein.

Wir leben in einer Zeit politischer Vergessenheit: Im Anfang von dem, was wir landläufig Europa nennen, steht die Französische Revolution und die Französische Nationalversammlung. Dort waren die Ehrenplätze rechts vom Präsidenten dem Adel vorbehalten. Die unteren Schichten saßen links. Diese linke Politik stand für Veränderung und Fortschritt, die durch Reform und Revolution neue Verhältnisse im Sinne einer Gleichberechtigung aller Menschen, unabhängig von Nation, Ethnie oder Geschlecht schaffen.

Nun gibt es in Österreich vier politische Kräfte, die sich selbst dieser linken Politik zuschreiben: Die SPÖ, die Grünen, Pilzianer und die KPÖ PLUS.

Fangen wir von hinten an: Die KPÖ-PLUS hat mit Stand 2017 ca. 2000 Mitglieder. Das ist vier Mal mehr als ein typischer österreichischer Fußballverein. Dabei lässt sich klar sagen: Gut, dass es Graz gibt. Ohne die steirische Landeshauptstadt wäre es schlecht um die Marxisten bestellt. Die KJ, nein nicht Katholische Jugend, wirbt mit dem Slogan „Keine Kohle. Keine Zeit. Keine Zukunft? Generation Widerstand!“. An die Frauen gerichtet heißt es weiter: „Schluck´s nicht, spuck´s aus, schlag zurück!“. Speed Dating mit Sadomaso. Mit einer Mischung aus Jugendsprache und Hegel sind sie gegen alles, was politisch und nicht kommunistisch ist: „Aus einem Elfenbeinturm heraus blickend sehen sie kein Subjekt zur Veränderung und in letzter Konsequenz zum Umsturz der Diktatur des Kapitals.“ (Die KPÖ über die Grünen) Das einzige was bei ihnen nie zum Subjekt zur Veränderung wird, sind ihre Wollpullis, die immer fünf Jahre lang getragen werden. Ich sag hier nur: Man kann sich Elfenbeintürme auch in den Boden graben. Es ist halt um einiges dunkler als bei der JVP oder im NEOS Schaufensterbüro vor der SOWI.

Gehen wir weiter zur Liste Pilz. Alle verkacken sie es in Tirol: Pilz, little Drummerboy HC, und Otto John. Egal. Zum Auftakt, ein Wort zur Alpbachaffäre. Auffi nach Alpbach! Es ist vier Uhr morgens. Ein Rudel äußerst wichtiger männlicher(!) Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Technologie lässt sich im Jakober von Frauen, Mitte Zwanzig, in engen Kostümen und mit weitem Ausschnitt (aus ihrem Lebenslauf) umhirscheln. Die BHs sind mit eigenen und fremden Visitenkarten voll, und es wird kokettiert als ginge es um Leben und Tod oder im Extremfall: einen Praktikumsplatz. Das entschuldigt Pilz in keiner Weise und lässt eher fragen, was vermeintliche Linke eigentlich in Alpbach suchen? Ökostrom? Ganz davon abgesehen bin ich dafür, dass die gebürtige Australierin Stephanie Cox erste Österreichische Bundeskanzlerin werden muss – Kanzlerin Cox. Inhaltlich spielen die Pilzianer wie ihr Namenspatron Polizei. Parteiprogamm inexistent.

Die Grünen hingegen haben ein Parteiprogramm, aber kein Geld mehr. Vielleicht wollen sie es der KPÖ gleichtun: „Keine Kohle. Keine Zeit. Keine Zukunft? Generation Widerstand!“? Nach einigen halberfolgreichen Selbstmordversuchen auf Bundes- und Landesebene, fragen sie, zumindest in Tirol, ob man „Büsche dabei“ hätte? (Im Original: Bisch dabei?). Ich weiß, es ist momentan schwer, aber Drogen sind auch keine Lösung.

Zum Schluss werden wir den Elefanten im Raum nicht umgehen können. Das österreichische Flaggschiff der Linken, die Partei des kleinen Mannes oder, wie man in Tirol sagt, die Partei jener Wiener Würstel, die für ihre 100m² Wohnung im Sozialbau nur ein Fünftel ihrer ÖBB Frühpension aufwenden müssen. Ich frage mich, wann hat man hier die Berührung zur Wirklichkeit verloren? Denn eines steht fest: Österreichische Sozialdemokratie ist Nabelschau. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die SPÖ eine riesige Firma ist, in der Menschen – und für eine Firma ist das durchaus legitim – Karriere machen wollen.

Mein Fazit: Der Österreichische Linke fehlt der Zauber ihres Anfangs, besonders in Tirol.

Titelbild: (c) Wikipedia