Kolumne: Der Oberhirte

An die Veganer: Hört bitte sofort auf Ski zu fahren, zu wandern oder zu klettern!

Schön langsam wird das Stichwort „vegan“ für mich zum Titel einer gigantischen Schmierenkomödie. Der neueste Renner unter den veganen Bobos: Kunstmilch aka Soja- oder Mandelmilch.

Achso, ich sollte mich eigentlich zuerst der Leserschaft des Alpenfeuilletons vorstellen. Ich bin neu auf dieser Plattform und gebe hier in Zukunft als ,Oberhirte Werner‘ meinen Senf zu verschiedenen Themen. Oberhirte ist übrigens durchaus ernst und mithin wörtlich gemeint, denn ich war heuer etwa drei Monate auf einer uralten, echten Käs-Alm im Valsertal. Und in dieser Zeit hab ich mich von einem Unterhirten zum Oberhirten hochgearbeitet. Wer mehr darüber wissen will darf auf meinem Blog nachschauen.

Was mir derzeit also so richtig auf den Zeiger geht ist dieser ganze vegane Kult, der in urbanen Szenen fröhliche Urständ feiert. Mir kommt‘s so vor, dass – wer nicht um dieses neueste, hippe goldene Kalb tanzt – als Tierquäler quasi bereits überführt ist.

Da wird dem p.t. Publikum vorgegaukelt, alles Tierleid dieser Welt schon allein damit verhindern zu können, wenn keine Kuh-, Ziegen oder – Gott bewahre – Esels- oder Stutenmilch konsumiert wird. Nur Soja- und andere Kunstmilcharten seien konsumerisch korrekt.

So, dann frag ich diese sinnbefreiten Apologeten der Rohkost, der Pflanzen, Algen, Flechten und der dazugehörigen, diese Einzelteile zusammenklebende Chemie: hört ihr auch auf, Ski zu fahren? Gebt ihr die Alpen dem Verfall, sprich der Wildnis preis? Ja schlussendlich: verzichtet ihr auch auf biologisch gezogenes Gemüse, das ja großteils mit Mist vulgo Tierscheiße gedüngt wird? In den folgenden Zeilen versuche ich einen Beweis dieser, meiner Behauptungen.

© Werner Kräutler

© Werner Kräutler

Normalerweise sollte man ja annehmen dürfen, dass aufgeklärt-rationale Menschen über die Zusammenhänge von Nahrungsmittelproduktion – Kultur – und Tourismus Bescheid wüssten. Aber genau das tun die selbstgefälligen, vorgeblich tierliebenden Veganer meines Erachtens überhaupt nicht. Entweder wollen sie nicht oder sie können nicht.

Genau deshalb will ich die Zusammenhänge zwischen unserer Agro-Kultur in den Alpen und dem Lebensstil der Bewohner verdeutlichen. Eine erste Predigt des Oberhirten quasi. Was ich noch zufügen will: Für mich ist einzig die Bio-Produktion von Lebensmittel akzeptabel, basierend auf einer möglichst großen, eigenen Futtermittelbasis der Höfe.


ZUR PREDIGT


 Also:

  • die einzige Möglichkeit für Bio-Bäuerinnen und Bauern, in den Alpentälern zu überleben ist der Versuch, aus schnödem Gras Eiweiß herzustellen. Und genau das tun Tiere wie Kühe, Gaißen, Schafe aber auch Esel und Pferde. Sie fressen Gras und wandeln es in Milch um. Seit Jahrtausenden schon profitieren die Bäuerinnen und Bauern in den Alpen davon. Die Entwicklung der Alpen geht ausschließlich auf dieses einfache Faktum zurück.
  • Dann kommt jetzt noch etwas ins Spiel, was vielen selbstgefällig-urbanen Intellektuellen, zahlreichen sebsternannten Kaffeehaus-Philosophen und vor allem den meisten vegan dahinmampfenden Zeitgenossen völlig unbekannt ist. Weshalb geben Tiere wie Kühe eigentlich Milch? Dieses Nichtwissen dürfte übrigens der eigentliche Grund dafür sein, dass sich viele – meist junge Menschen – auf die vegane Seite schlagen. Versteh ich irgendwie sogar.
  • Achso, es sind also unbedingt Kälber nötig, um den Mutterkühen die Milch wieder in die Euter einschießen zu lassen! Und da unsere Bergbauern nicht alle Kälber aufziehen können schlachten sie den Großteil. Was für ein Gemetzel! Was für eine Barbarei!
  • Ist Kalbfleisch und das Essen dieser toten Tiere ist also die einzige Triebfeder der Milchproduktion und mithin der eigentliche Wahnsinn?
© Werner Kräutler

© Werner Kräutler

Mitnichten behaupte ich. Ich breche hier eine Lanze für die wirklichen Bergbauern in unserem Land. Jene Menschen, die Sommer für Sommer ihre Tiere auf die Alpen bringen, bisweilen steile Bergmähder mähen, Heu machen und daher auch schon als Landschaftspfleger bezeichnet werden. Sie halten die Alpentäler durch ihre Arbeit offen, befahrbar und so schön, dass der Tourismus überhaupt funktioniert. Das alles machen sie übrigens großteils im Nebenverdienst. Und meist sind es die Bäuerinnen, die den bäuerlichen Laden hauptsächlich schmeißen.

Ich frage Euch: ist‘s Euch lieber, diese Leute werfen ihre Sensen zum Altmetall und hören auf, Tiere zu halten, Milch herzustellen oder die Berghänge zu mähen? Wenn ja, müsst ihr aber auch mit den Konsequenzen leben:

  • Wenn die Bergbäuerinnen und Bergbauern Tirols schlagartig aufhören würden, Tiere zu halten, Milch zu erzeugen oder Käse zu machen dann könnten auch die Skifahrer ihren Krempel zuhause lassen. Denn die Talböden, Almen und Hochmähder würden innerhalb kürzester Zeit verbuschen und verwildern. Und schätzungsweise in 60 – 80 Jahren wären aus den gepflegten, grünen Wiesen mit ihrem Artenreichtum an Kräutern und Pflanzen nahezu undurchdringliche Wälder geworden. Ich spreche jetzt erst gar nicht von Muren und Erdrutschen, die eine logische Konsequenz der Verwilderung wären.

Also liebe Veganer: wenn ihr schon so bewusst auf alle tierischen Produkte verzichtet, dann verzichtet – zumindest in Tirol – konsequenterweise heute schon auf das Schifahren, Wandern oder Bergsteigen. Bitte!

Zu allerletzt: vegan ist sicher nicht bio. Denn für die Bio-Produktion benötigen die Bauern Mist. Und Mist ist vegantechnisch ganz sicher verpönt. Aber veganisches Gemüse wird dann halt mit den Segnungen der Chemie behandelt. Mahlzeit!

Hier ein Leserkommentar zu dieser Kolumne.