Gastro-(R)Evolution in Innsbruck – jedem seine Line!

Ein Belgier. Ein Tiroler. Ein Südafrikaner. Drei wunderbare Biere.

Ich kenne Innsbruck seitdem ich hier meinen ersten Schrei losgelassen habe. Ich bin hier den Windeln entwachsen, habe mich im Kindergarten zum ersten Mal verliebt und im Übergangssommer zur Volksschule wieder entliebt. Ich habe hier Klassenbucheintragungen bekommen, in Deutsch “nicht genügend” geschrieben und ganz in der Nähe maturiert. Ich war hier an der Uni, zwei Mal verliebt und fast jeden Dienstag im Hofgarten. Heute bin ich hier freier Autor und aus beruflichen Gründen viel unterwegs. Ich kenne Innsbruck! Wie kaum ein anderer.

Und weil ich Innsbruck so gut kenne, weiß ich, dass Innsbruck vor allem eines auszeichnet. Seine Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. “Es war schon immer so, deshalb muss es auch so bleiben” – ist das Fundament auf dem der unbändige Pionier-Geist hier fußt. “Bringt’s nix. Brauchma’s nit” – die Messlatte die es zu überspringen gilt. “Dea Schaß kimp sicha aus Amerika” – die feinfühlige Bewertungsskala die angewandt wird. In Innsbruck ein neues Restaurant zu eröffnen, das nicht auf der „dem Land Tirol die Treue-Tonleiter“ jodelt, Wiener Schnitzel für 16,90 Euro bäckt und Zipfer Bier ausschenkt, war lange Jahre so realistisch, wie ein Grüner in der hiesigen Landesregierung. Dass nun Grüne sowohl in Gremien von Stadt, als auch Land sitzen, war ein erster Vorbote.

Der rauchergesetz-bedingte Umbau im Cafe Central und die neue Bestuhlung im Cafe Wiener waren lange Jahre die einzigen spektakulären Änderungen in der Innsbrucker Lokalszene, die ein wenig Nachhaltigkeit versprachen. Sämtliche andere Versuche ein neues Lokal, eine Bar, eine Imbiss-Bude oder ähnliches zu eröffnen, scheiterten an der alpenländischen Mentalität, neue Dinge nur zu versuchen, um festzustellen, dass so etwas hier (eh) nicht gebraucht wird . Doch was heute in Innsbruck passiert, habe ich so noch nie gesehen. Da verlasse ich für eine Mittagspause mal nicht mein Büro, schon gibt es am nächsten Tag wieder eine neue Hipster-Vegan-Choclate-Topping-handmade-Beer-Bar-Burger-Braterei.

Ein Belgier. Ein Tiroler. Ein Südafrikaner. Drei wunderbare Biere.

Ein Belgier. Ein Tiroler. Ein Südafrikaner. Drei wunderbare Biere. Tribaun.

Auch Flaschen-Biere gibt es hier. Trotz unzähligen Zapfanlagen. Abenteuerlich bis lieblich.

Auch Flaschen-Biere gibt es hier. Trotz unzähligen Zapfanlagen. Abenteuerlich bis lieblich.

Die Kommandozentrale von Innen. Romantisch ist anders. Aber. So sieht Qualität aus.

Die Kommandozentrale von Innen. Romantisch ist anders. Aber. So sieht Qualität aus. Craft Beer in Innsbruck eben.

Mir und zig anderen Leuten „gefällt es“ und das nicht nur auf Facebook. Endlich kommt mal ein wenig frischer Wind in die Bude. Ok. Ich muss ehrlich sagen, dass ich auch ein richtig gutes Tiroler Wirtshaus, mit fairen Preisen, freundlicher Bedienung, gemütlicher Atmosphäre und hauseigenem Stammtisch sehr schätze(n würde). Aber. Die Bewegung die Innsbrucks Gastronomie gerade erfährt, hat schon etwas Schönes. Vor allem wenn die Konzepte der Lokal-Pioniere und Gastro-Mutigen auch noch durchdacht sind und eine ordentliche Portion Leidenschaft beinhalten.

Aus reiner Nächstenliebe darf ich heute ein solches Konzept anteasern, welches gerade zum Lokal herausgeputzt wird. Weil mein Autoren-Kollege Markus Stegmayr und ich, frecher Weise einfach um 23:17 Uhr in eben dem Lokal aufgetaucht sind, um die Aufbauarbeiten zu boykottieren, blieb den Jungs von Tribaun nicht viel anderes übrig als unsere neugierigen Fragen zu beantworten und die durstigen Münder zu stopfen. Früher kannte ich die Gegend rund um die Angerzellgasse nur deshalb, weil im Treibhaus „Ronja Räubertochter“ aufgeführt wurde. Heute scheint hier ein Eck zu entstehen, das mir kulinarisch und genusstechnisch so manch schönen Abend bescheren könnte. Der neueste „Gastro-(R)Evolution“-Zuwachs: das Tribaun.

Jedem (Bier) seine Line. Aufnahme aus der Kommandozentrale aus dem Keller.

Jedem (Bier) seine Line. Aufnahme aus der Kommandozentrale aus dem Keller.

Ich weiß es nicht, oder nicht mehr, wieso das Lokal Tribaun heißt. Ich weiß nur, dass dort ein Belgier Chef und ein Südafrikaner, der einer Tirolerin das Herz gestohlen hat, Barchef ist. Ich weiß auch, dass diese beiden sich die Nächte um die Ohren schlagen und dabei im Lokal schuften, damit die 20 Bierzapf-Hähne endlich feucht werden können und die hyper-moderne Bierzapf-Fassanschluss-Logistik-Zentrale (im Keller) endlich angeworfen werden kann. (bald ist es so weit) Was für ein Ding uns da erwartet? Handgemachte Liebhaberbiere. Mittelalterliche Sauerbiere. Nahrhafte, flüssige Gaumen-Neuheiten für geisteskranke Experimentierfreudige und coole Konservative. (gleichermaßen) Wahrscheinlich. Ein Konzept von Bierliebhabern für Bierliebhaber und Bekehrungsort für jene die es noch nicht sind.

Auf jeden Fall. Bleibt neugierig. Endlich frischer Wind in der Bude. Und für einmal ist es (hoffentlich) nicht nur der Föhn! Weiter so.

Sobald das Tribaun eröffnet hat, gibt es hier am ALPENFEUILLETON noch einen ausgiebigen "Test-Bericht". Einen eben solchen haben wir auch vom Restaurant "Klein und fein" verfasst. Dieser geht in den kommenden Tagen online. Schaut vorbei.